Christian Schmid war letzten Donnerstag im Rahmen der Aktion “Stammtisch-Gepolter” in der Rolle des fliegenden Reporters unterwegs und hat verschiedene Kneipen in Rorschach besucht. Im Folgenden hat er seine Erlebnisse aufgeschrieben.
Als fliegender Reporter habe ich drei verschiedene Kneipen aufgesucht. Eigentlich waren
es vier. Doch die unmissverständlich verriegelte Tür des ersten Lokals „A Caravela“
deutete darauf hin, dass Gäste zu dieser Zeit wohl nicht willkommen sind. Ein Schild mit
Öffnungszeiten habe ich vergeblich gesucht. Dafür prangten verschiedene Plakate in
unpassend schillernden Farben an der Tür. Sie machten den Besucher in
lateinamerikanischer Manier auf die bevorstehenden Anlässe aufmerksam.
Fernab von den anderen Lokalen betrat ich wenig später den „Hirschen“. Die sich in einem
Altbau befindende kleinere Bar wirkte gemütlich und bestach durch ihr bunt durcheinander
gewürfeltes Mobiliar. Als ich mich zum Klo aufmachte, kam mir eine Katze entgegen, die
sich sanft an mein Bein schmiegte. Für Leute mit Katzenhaarallergie ist diese Bar wohl
nicht die erste Wahl. Überraschend war die dreisprachige Anschrift an den Toiletten-Türen.
Hier findet jeder sein Töpfchen. In Englisch wird sogar zwischen „Man“ und „Mr.“
unterschieden – nur damit es keine Missverständnisse gibt. Im Innern erwarteten mich
moderne, wassersparende Closomate, die in anderen Regionen nur als Rarität zu finden
sind.
Das „Kornhausbräu“ glich mehr einer Fabrikhalle als einer Bar. Als ich das Gebäude betrat
stach mir auch sogleich der etwas penetrante Geruch von Hopfen und Malz in die Nase.
Die Bierbrauerei erscheint zweckentfremdet – so schaffen die kahlen Wände der Halle
eine eher monotone Atmosphäre. Der Gang zur Toilette glich einem Orientierungslauf.
Doch wer den Weg durch das Labyrinth von Gängen nicht scheut, den erwartet eine
freudige Überraschung: Eine sehr modern ausgestattete WC-Anlage – wieder mit
Closomaten. Eine Verbotstafel auf dem Spiegel macht auf das Rauchverbot aufmerksam –
dem offensichtlich keine grosse Beachtung geschenkt wird. Notorische Passivraucher
kommen da voll auf ihre Kosten. Wo kein Richter, da ist auch kein Henker. Nirgendwo
bewahrheitet sich dieses Sprichwort mehr, als im stillen Örtchen – dem Ort des Rückzugs
und der Anonymität.
Wer raucht, den lockt das „Goldene Fass“ bereits beim Eingang mit entsprechender
Inschrift. Diese Kneipe gleicht einer gemütlichen Stube mit integriertem Kiosk. Nach einem
herzlichen Empfang mache ich einen kurzen Abstecher zum Klo. Der Baumeister dieses
architektonischen Unikat war wohl ein Hobbit. Nicht anders kann ich mir die auffallend
niedrigen Türen (und Klinken) erklären, die den Besucher oft nur in gebückter Haltung
unbeschadet passieren lässt. Der Besuch lohnt sich jedoch abermals: Neben dem WC
befindet sich eine Schachtel voll beladen mit Kondomen und das auch noch gratis! Da
sagt Mann nicht Nein.
Text: Christian Schmid