
Für die Initianten Mark Riklin und Selina Ingold ist das Werk „Stadt als Bühne“ in Rorschach vollbracht. Das Projekt hat mit dem neunten Kapitel und der Mitarbeit von rund 500 Studierenden der FHS St.Gallen, Fachbereich Soziale Arbeit, sein Ende gefunden.
Passend zum letzten Kapitel „Stadt der Sinne“ ertönt um 13.45 Uhr Musik aus der engen Ankerstrasse in Rorschach. Zwei Studierende verzaubern mit Gitarre und Gesang vorbeikommende Passanten, zwei weitere sorgen in der Figur als Jongleuse für Stimmung. Minuten später hebt sich der rote Vorhang. Zwölf Stadtfiguren werden von den Moderatoren Rebekka Kohler und Pascal Koch vorgestellt. Figuren der vergangenen Kapitel werden auf dem Laufsteg zum Leben erweckt. Es sind keine Supermodels, sondern erfundene „Sinnlichkeitsbringer“ für die Stadt Rorschach.
99 Ideen auf 22 Meter Länge
Vor 10 Tagen haben 54 Studierende das letzte Kapitel der Reihe „die Stadt als Bühne“ in Angriff genommen. Welche Identifikation findet eine Stadt, die mit so vielen Ressourcen gefüllt ist? Durch eine intensive Auseinandersetzung mit den zahlreichen Möglichkeiten sind 190 Ideen entstanden. Einen Extrakt daraus haben vier Studierende auf eine Depesche an den Stadtrat geschrieben. 22 Meter Länge voller Sinnlichkeit ist entstanden. Einige Vorschläge haben die Depeschenschreiberin Julia Bollag besonders beeindruckt. So könnte ein blinder Stadtführer den Menschen spezielle Plätze in Rorschach durch Tasten näherbringen. Eine Stadtmelodie könnte an verschiedenen Orten abgespielt werden. Die dritte Idee ist eine Sitzbank, die mit Feldstechern versehen wird. Dadurch können Spaziergänger eindrückliche Motive ins Auge fassen. Für den Audiologen Stephan Kuntz bedeutet eine sinnliche Stadt, eine mit der man sich identifiziert. Welche dieser innovativen Gedankenanstösse die Stadtregierung umsetzen möchte, steht noch in den Sternen.
Reflexion im Mariaberg
Später laden die beiden Initianten zu einem interdisziplinären Fachgespräch im Kulturlokal Mariaberg ein. Unter anderem äussert sich Dani Fels, FHS-Dozent und Sozialraumexperte. Er sieht in dem Projekt einen partizipativen Ansatz umgesetzt, den Sozialarbeiter durchaus in der Praxis anwenden können.
Während dem einwöchigen Seminar haben die Studierenden ein öffentliches Ereignis produziert und medial verarbeitet. Stephan Kuntz erkennt die besondere Faszination am Glanz in den Augen der Studierenden. Bilder, Geschichten und Emotionen schaffen eine Nachhaltigkeit im Gedächtnis. Das Projekt „Stadt als Bühne“ ist formal zwar abgeschlossen, doch lebt es in den Gedanken der Bevölkerung von Rorschach weiter.
Text: Julia Hubatka, Florian Schausberger, Janine Thurnherr
Bild: Nader Nobakhti-Afshar